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Gehört der Islam zu Deutschland?

11 Meinungen | November 2010

“Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.” – Christian Wulff, Bundespräsident, in seiner Rede zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit.

“Ein Deutschland voller Moscheen und verschleierter Frauen ist nicht mehr das Deutschland Goethes, Schillers und Heines, Bachs und Mendelssohns.” – Geert Wilders, niederländischer Politiker und Islamkritiker, in einer Rede in Berlin.

Laut Christian Wulff gehört der Islam also genauso zu Deutschland, wie auch Christentum und Judentum. So gesehen leben wir nicht mehr in einer christlich-jüdischen Kultur, aus deren langer Tradition wir kommen, sondern in einer christlich, jüdisch und muslimisch geprägten Kultur.

Dabei sollte man aber die Besonderheiten und Unterschiede der einzelnen Kulturen nicht vergessen. Das deutsche Grundgesetz geht von einer Trennung von Staat und Kirche aus. Des Weiteren lebt das Deutsche Volk nach den Grundsätzen “Die Würde des Menschen ist unantastbar” (Artikel 1.1, Grundgesetz) und “Die Freiheit der Person ist unverletzlich” (Artikel 2.2, Grundgesetz).
Auf der anderen Seite steht der Islam, welcher den Begriff der personalen Freiheit nicht in derselben Weise kennt. Auch machen viele seiner Anhänger keinen Unterschied zwischen göttlichem und weltlichem Recht.
Auf Grund dieser doch sehr gegensätzlichen Weltanschauung ist es nicht verwunderlich, dass dies häufig zu Differenzen zwischen den jeweiligen Kulturen führt.

Die Beziehung der Deutschen zum Islam scheint eine Andere zu sein, als die Beziehung zu anderen Religionen. So leben in Deutschland nicht weniger Inder und Chinesen. Aber bis jetzt ist noch niemand auf die Idee gekommen, davon zu reden, dass der Buddhismus auch zu Deutschland gehört.

Aber wieso ist die Beziehung zum Islam eine Andere – und wo kommen diese Schwierigkeiten her? Sind die kulturellen Unterschiede zu groß? Oder fehlt einfach ein gegenseitiges Verständnis?

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Diese Umfrage wurde am 11. November 2010 erstellt.
Quelle: @: DIE ZEIT, No 41, 7. Oktober 2010

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11 Meinungen zu diesem Thema

  1. Ich denke das Problem liegt genau daran dass wie schon erwähnt, wir Christen/Juden eine Identität besitzen der es möglich ist auch ohne unsere Religion zu bestehen. Wir sind deutsch und wir sind (eventuell) religiös aber dies steht nicht in Konkurenz miteinader.
    Ein Muslim scheint zuallererst genau dieses zu sein und in welchem Land bzw. welcher Politik er folgt, scheint zweitrangig zu sein.
    Ich denke solange diese Differenz noch besteht, kann ich als Deutsche nicht behaupten der Islam sei ein Teil von uns.

  2. Was mich wirklich stört ist, dass sich der Islam hier in Deutschland – meiner Meinung nach – sehr aufdrängt.

    Hier soll eine Moschee hin, dort und dort auch und am besten dort auch. Und dann überall sieht man Frauen die zum Teil oder sogar ganz verschleiert sind.

    Aber von sämtlichen Türkenb hört man, dass in der Türkei selbst kaum eine Frau noch Kopftuch trägt.

    Was soll das also?

    Würde man es in der Türkei akzeptieren, wenn wir da ankommen und hier und da ein paar christliche Kirchen hinstellen und sonst was??

    Die Türkei muss sich zuerst mal um die Gleichberechtigung der Frau kümmern.

    Was soll jetzt das Gerede, früher haben die Frauen hier in Deutschland auch Kopftücher getragen. Das war was völlig anderes!

    Die Bauersfrauen nutzten die Kopftücher um die Haare vor dem Dreck bei der Landwirtschaftsarbeit zu schützen. Sie banden sie nur um die Haare – Gesicht, Hals und Nacken sind vollständig frei.

    Das was die türkischen Frauen tragen müssen sind Verschleierungen. Man sieht nur das Gesicht, manchmal nur noch die Augen…

  3. Erst ein sakularisierter Islam wird ein Teil von
    Deutschland sein.
    Durch den Humanismus und die Aufklärung ausgelösten Prozesse, die die früheren engeren Bindungen an die Religion gelöst und den Lebenswandel zunehmend auf Basis menschlicher Vernunft begründet. Trennung von Kirche und Staat,…… .

  4. Die zwei Alternativen treffen beide nicht. Der Grund, warum der Islam noch nicht zu Deutschland gehört, hat nichts mit unterschiedlichen Wertvorstellungen zu tun. Es liegt vielmehr daran, dass die deutsche Geschichte immer noch hauptsächlich christlich geprägt ist.

    Es gibt viele Ausprägungen des Islam und einige machen sehr wohl eine Trennung zwischen Religion und Staat. Man denke z.B. an die türkische Verfassung, oder Pakistan vor der Islamisierung durch Zia ul-Haq, oder Bosnien. Die meisten Muslime, die in Deutschland wohnen, haben kein Problem mit der Trennung.

    Es gibt zwar eine gewisse Radikalisierung unter manchen Muslimen, aber lest mal das Kath.net Forum oder schaut mal die Tea-Party-Bewegung an und ihr werdet sehen, dass es zurzeit Radikalisierung in allen Religionen gibt. Es ist nur ein Zeichen der Zeit und in ein paar Jahren wird das Pendel zurückschaukeln.

    Und wir sollten auch nicht vergessen, dass Deutschland stark von der anti-klerikalen Aufklärung geprägt ist. Das Grundgesetz ist nicht nur das Ergebnis christlicher Werte; es ist auch ein Ergebnis des Kampfes zwischen den Kirchen und aufklärerischen republikanischen Werten. Teilweise wurden die Verfassungesgrundsätze von den Kirchen ertrotzt.

  5. Ein Hinweis auf einen anderen intoleranten Glauben(-System) oder die Andeutung einer Entwicklung in diese Richtung ist kein
    entlastendes Argument, sondern ein weiteres gegen solche intolerante Systeme.

    Sicher gibt es Islamische Länder in denen Demokratie in einem (Anfangs-) Stadium gelebt wird, doch der überwiegende Anteil Islamischer Länder unterdrückt die zarte Pflanze Demokratie
    mit der notwendigen Gewaltenteilung, Säkularisierung und den Grundrechten.

    Es fehlt ein hörbares, überzeugendes und „gelebtes“ ja des Islams in Deutschland zum Deutschen Grundgesetz und zu der in
    Deutschland gelebten Demokratie mit den daraus vielfältigen gleichstellungs Merkmalen, Rollen, Freiheiten der Frauen in diesem Land,
    von denen die Mehrzahl der Frauen im Islam ( Auch in Deutschland ) noch weit entfernt sind.

    Ich finde das der Islam in dem o. g. Sinne ein Bringschuld zu erfüllen hat,damit er dann mit all seiner Lebendigkeit, Vielfalt und Farbe seinen Platz in Deutschland ein nimmt, ausfüllt und unsere gemeinsame Heimat mit gestaltet.

  6. Ich stimme Heinz zu. Gerade was die Gleichstellung der Frauen gegenüber den Männern angeht. Ich kann und will es nicht akzeptieren, dass die Frauen nach wie vor dem Mann in irgendeiner Art und Weise “unterstellt” sind. In dieser Hinsicht bin ich nicht bereit Toleranz zu zeigen bzw. dann in Bezug auf die Thematik zu akzeptieren dass dies ein Teil der deutschen Kultur sein soll.
    Ich habe in letzter Zeit einige Muslimas kennen gelernt, zum größten Teil im Studium. Ich kann also auch behaupten diese gehören den eher modernen muslimischen Familien an und ich muss leider sagen, dass auch diese Kontakte mir defintiv bestätigt haben, dass diese Frauen ihrem Mann keineswegs (!) gleich gestellt sind.

  7. 2009 war es 20 Jahre her seit die Fatwa gegen Salmon Rushdie (Ermordung dieser Person) von einem hohen Islamischen Geistlichen erlassen wurde. In der Zwischenzeit gab es weitere dutzende Fatwas. Hier könnte der Deutsche Islam klar und deutlich signalisieren, indem er sich eindeutig gegen Fatwas stellt,”wir sind in diesem Demokratischen Rechts-System angekommen”.
    Signale dieser Art, von offiziellen Vertreter des Islam in Deutschland, würden sicher das Vertrauen in den Islam und in die Menschen,welche danach leben, weiter vertiefen und ausbauen.

  8. Ich frage mich immer wieder, wieviele von euch überhaupt eine türkische Familie oder einen Freund kennt? Persönlich und nicht oberflächlich.

    Ich habe viel gutes von diesen Menschen erlebt als von einem christlich geprägten Menschen.

    Ich würde auch sehr vorsichtig sein mit der Behauptungen christlich-jüdischen Kultur in Europa. Anscheinend habt ihr alle die Geschichtsunterricht verschlafen. Die Juden wurden immer verfolgt von christlich geprägten Regierungen in der Vergangenheit. Aber nicht in den damaligen islamischen Ländern.

    Juden und Moslemkonflikt besteht seit Gründung von Israel. Diese wurden damals auch von Briten und Amerikanern unterstützt. Leute, lernt erst die Geschichte, bevor ihr irgendwas loswerden wollt, so was hatten wir bereits. Es gibt natürlich immer wieder schwarze Schafe, aber nicht nur im Islam. Kreuzzüge, Amerikaner, Engländer, Russen, Franzosen usw…. nur diese können marketingtechnisch gut verpacken.

    Übrigens der Islam gehört nicht seit vor kurzem in Europa. Seit fast 1000 Jahre… Aber der Budhismus nicht.

  9. Ich bekomme ein flaues Magengefühl, wenn ich lese, der Islam gehört NOCH nicht zu Deutschland. Gebs Gott, das er das nie wird. Wie oben schon gelesen: Baut mal in islamistischen Ländern christliche Kirchen, geschweige denn der dortige Staat finanziert das Vorhaben…. Lachhaft, was diesbezüglich in Bochum und in dem Rest von Deutschland abgeht.
    freundlichst U.M.

  10. Magoito/Godowitsch 5. März 2011 um 17:03 Uhr

    Es ist eine Frechheit das Deutschland von den Islamischen Mitbürgern dazu gezwungen wird ihren Glauben auf gedeih und verderb zu teilen,obwohl ich als Christ in den Islamischen Ländern gesteinigt werde und das aufgrund meines Glaubens.Auserdem gibt die Deutsche Regierung,aus Angst wieder als Nazi beschimpft zu werden,diesem Irrsinn auch noch nach.Für jeden Menschen der als Gast ins Ausland geht zählen die landesüblichen Regeln im Gastland nur in Deutschland dürfen die Gäste unseres Landes tun was sie wollen(MOSCHEEN BAUEN).

  11. Liebe Leute, ich glaub’s ja nicht,der Islam ist also die große Bedrohung!? Wisst ihr denn nicht, was da draußen in der Welt abläuft?
    Deutschland vom Islam, der angeblich nicht zu uns gehört, frei halten? Wie denn – indem wir ihn auf das reduzieren, was uns als “Islam” gerade so in den Kopf kommt?
    Ein bischen mehr Geschichtsverständnis wäre vielleicht erhellend. Aufklärung meint eben, dass etwas aufgeklärt wird und nicht, dass es sich verfinstert.
    Die Argumente, die zur Verdunklung der Vernunft führen, sind seid jeher immer wieder die gleichen: schaut sie doch an die Barbaren, Juden, Zigeuner, Moslem – sie sind anders. Die gehören nicht zu uns!

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